Arbeitsgruppen | AG Landwirtschaft | Humusaufbau-Projekt

Das Humusaufbau-Projekt

In den letzten Jahrzehnten wurde weltweit „humuszehrend" gewirtschaftet – das heißt, dass die Humusreserven der Ackerböden durch die Bewirtschaftung (Bodenlockerung, Handelsdünger, Spritzmittel, Monokulturen etc.) reduziert wurden. Im Vergleich zu den 1930er-Jahren haben wir nur mehr ein Drittel bis maximal die Hälfte des ursprünglichen Humusvorrates im Boden.

Durch eine Änderung der Bewirtschaftungsweise von Ackerflächen kann im Boden Humus aufgebaut sowie langfristig stabilisiert werden und nicht als CO2 in die Atmosphäre entweichen. Ziel ist es auch, die Böden in möglichst kurzer Zeit zu sanieren. Die einzelnen Landwirte werden dabei fachlich informiert und entsprechend geschult.

Ziel ist die Förderung von Humusaufbau und die Ökologisierung des Landbaus. Durch eine Humusanreicherung von z.B. 3 Prozent auf 25 cm Bodentiefe könnten 125 Tonnen CO2 pro Hektar gebunden werden.

Eine Beschreibung des Humusaufbau-Projekts zur Kompensation von CO2-Emissionen können Sie hier nachlesen:

     
 Broschüre Humusaufbau (741 KB)

Prinzipien des Humusaufbaus

Der Humusgehalt des Ackerbodens wird neben dem Ausgangsgestein und dem vorherrschenden Klima maßgeblich von der Art der Bewirtschaftung beeinflusst. Durch eine Änderung der Bewirtschaftung ändert sich somit auch der Humusgehalt. Je mehr der folgenden Maßnahmen gleichzeitig eingesetzt werden, desto rascher wird Humus aufgebaut. Weiters muss die geänderte Wirtschaftsweise auch beibehalten werden, damit es in der Folge nicht wieder zu einem Humusabbau kommt. Wer sich mit Humusaufbau beschäftigt bewegt sich in Richtung Ökologisierung der Landbewirtschaftung. Die positiven Auswirkungen hinsichtlich Umwelt, Boden, Wasser und Klimaschutz sind nachgewiesen. Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Düngung mit Kompost (anstelle von Handelsdünger, Gülle oder Jauche) - Kompost ist fertiger Humus und trägt somit am stärksten zum Humusaufbau bei. Je größer die Kompostmenge, desto rascher geht der Humusaufbau vor sich.

  • Minimale Bodenbearbeitung (anstelle von Pflug, Grubber, Hacke und Striegel) - je weniger der Boden bearbeitet ist, desto geringer ist der Sauerstoffeintrag und desto stabiler bleibt der aufgebaute Humus bestehen. Im Idealfall erfolgt überhaupt keine Bodenbearbeitung (z.B. EcoDyn-System) - die Saat wird mittels Schlitzsaat in bestehende Gründecken eingebracht.

  • Dauerbegrünung (anstelle der Herbstfurche und Winterbrache) - nur ein begrünter Boden kann auch etwas leisten; vor allem muss die Bodenbiologie auch im Winter ernährt werden. Der Einsatz von Leguminosen ist für diesen Zweck besonders günstig, da dabei gleichzeitig Stickstoff gebunden und Humus aufgebaut werden kann.

  • Fruchtfolge (anstelle von Monokulturen) - durch die Erhöhung der Pflanzenvielfalt erhöht man auch die Wurzelvielfalt und die Stabilität in der Mikrobiologie. Damit werden erst die Grundlagen geschaffen, dass im Boden selbst überhaupt Humus entstehen kann.

  • Mischkulturen (anstelle von Monokulturen) - darunter versteht man den gleichzeitigen Anbau von mehreren Kulturen, die gleichzeitig wachsen können und sich gegenseitig positiv beeinflussen. Beispiele: Mais + Käferbohne oder Weizen + Leindotter oder Sonnenblumen + Buchweizen. Durch die Erhöhung der Wurzelvielfalt wird der Humusaufbau gefördert.

  • Vermeidung von Maßnahmen, die zu Humusabbau führen - dies sind vor allem: Handelsdüngereinsatz, Bodenbearbeitung, Monokulturen und Pestizideinsatz.

Vorteile durch die Umstellung auf Humuswirtschaft

Auf den Flächen, die seit 2007 Humusaufbau betreiben, sind mit Frühjahr 2012 die ersten Vorteile in der Bewirtschaftung und Bodenbeschaffenheit deutlich sichtbar:

  • Der Aufwand für die Bodenbearbeitung wird nachhaltig um über 50 % reduziert - anstelle des Pfluges wird im Herbst nur mehr der Grubber eingesetzt und gleichzeitig die Gründüngung eingesät - dadurch wird 50 % an Zeit und rund 70 % an Dieselverbrauch eingespart.
    - Im folgenden Frühjahr wird nur mehr seicht (4cm) mit der Kreiselegge das Saatbeet mit einem Arbeitsgang fertiggestellt (früher: Abschleppen, Gülle ausbringen, Eggen und Sähen - also 4 Arbeitsgänge)
    - Nach Getreide im Sommer wird überhaupt auf die gesamte Bodenbearbeitung verzichtet!
  • Im Getreidebau kann ab sofort auf den gesamten Pestizideinsatz verzichtet werden - es wird also nur mehr angebaut und geerntet. Im Vergleich dazu sind im konventionellen Getreidebau bis zu 4 Arbeitsgänge erforderlich:
    - Herbizid gegen Unkraut
    - Insektizid gegen Getreidehähnchen
    - Halmverkürzer
    - Fungizid gegen Mehltau
  • Die Humusgehalte wurden auf unseren schweren Böden von ursprünglich 3 % auf 5-6% angehoben.

CO2 Bindung durch Humusaufbau

Humus besteht zu 58 % aus Kohlenstoff („C"). Die Umrechnung von „C" zu „CO2" erfolgt mit dem Faktor 3,67. Dieser Wert resultiert aus den Atomgewichten von (C=12, O=16, CO2=44). Ein Teil Kohlenstoff entspricht demnach 44/12 = 3,67 Teile CO2.

Bei der Bodenuntersuchung wird der Humusgehalt gemessen und in Prozent der Trockenmasse angegeben. Bei der Umrechnung auf absolute Werte (also in Kilogramm, bezogen auf die Flächeneinheit) müssen neben dem Kohlenstoffgehalt auch die Dichte des Bodens und der Grobskelettanteil berücksichtigt werden:

  • Fläche in Quadratmeter
  • mal Entnahmetiefe 0,25 (25 cm) = Kubikmeter Erde
  • mal spezifisches Gewicht der Erde (ist abhängig vom Humusgehalt) z.B 1,17 bei 2,8% Humus = Tonnen Trockenmasse
  • mal Anteil Feinboden (der Grobskelettanteil - Schotter - muss abgezogen werden) bei 2,3 % Skelettanteil ist dieser Faktor beispielsweise 0,977 = Tonnen Trockenmasse Feinboden
  • mal % Humusgehalt - z.B. 2,8 % Humus ergibt einen Faktor 0,028 = Tonnen Humus
  • mal Anteil Kohlenstoff im Humus (58 %), also mal 0,58 = Tonnen Kohlenstoff
  • mal 3,67 für die Umrechnung von „C" auf „CO2" = Tonnen CO2

Beispiel

Probe Fläche ha Humus % kg/l Grob %
1 (2009) 3,29 2,8 1,17 2,3
2 (2011) 3,29 3,0 1,15 2,3

Probe 1: 32.900 (m2) x 0,25 (Tiefe) x 1,17 (Gewicht) x 0,977 (Feinboden) x 0,028 (Humus) x 0,58 (Kohlenstoff) x 3,67 (CO2) = 560 Tonnen CO2

Probe 2: 32.900 x 0,25 x 1,15 x 0,977 x 0,03 x 0,58 x 3,67 = 590 Tonnen CO2

Differenz zwischen beiden Proben: + 30 Tonnen CO2

In diesem Fall wären also durch die Humusanreicherung von 0,2 % auf den 3,29 Hektar rund 30 Tonnen CO2 gebunden worden. Dies entspricht pro Hektar rund 9 Tonnen CO2. Somit hätte dieser Betrieb das Mindestziel (11 Tonnen / ha) nicht erreicht.

 

Seite drucken | zurück | nach oben    

       humusdvds

humusstammtisch 

fundgrube