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Humus Symposium 2008

Bericht über das 2. Humus-Symposium der Ökoregion Kaindorf

Ort: Ebersdorf 31. März/1. April 2008

von Helmut Römer

Humus, Agroforst und Terra-Preta

Neue Landwirtschaft in der Ökoregion Kaindorf

Klimaschutz und Ertragssteigerung – beim 2. Humus-Symposium in Ebersdorf wurden Perspektiven für die Landwirtschaft der Zukunft aufgezeigt.

Ökoregion Kaindorf: sechs Gemeinden, 5.500 Einwohner, 6.800 Hektar. Die Ökoregion verfolgt ein sehr ambitioniertes Ziel: Der CO2-Ausstoß der Region soll bis 2011 um die Hälfte reduziert werden und bis 2020 soll die Ökoregion CO2-neutral sein. Anfang April 2008 fand in Ebersdorf das 2. Humus-Symposium der Ökoregion statt – mit über 50 Teilnehmer, Wissenschaftlern und Landwirten aus dem In- und Ausland. Es ging dabei um nichts Geringeres als die Landwirtschaft der Zukunft.

Altes Wissen neu entdeckt

In Lateinamerika gibt es eine Bodenart, die äußerst fruchtbar ist und deren Beschaffenheit der Wissenschaft lange Rätsel aufgegeben hat. Prof. Bruno Glaser von der Universität Bayreuth beschäftigt sich seit zwölf Jahren mit diesen 2000 Jahre alten indianischen Schwarzerdeböden Amazoniens, der sogenannten Terra-Preta-Böden. „Das Geheimnis ist die Kombination von Holzkohle-Rückständen und organischen Abfällen", sagt Glaser, „wir versuchen nun, diese Böden nachzubauen." Dies hätte mehrere Vorteile: Aus Biomasseabfällen kann man saubere Energie erzeugen und der anfallende Biomassekohlenstoff wird in die Böden eingebracht. Die Bodenqualität wird verbessert und das in der Holzkohle gebundene CO2 wird nicht klimarelevant. „Da man die besten Ergebnisse in der Bodenfruchtbarkeit hat, wenn man die Terra-Preta-Erde mit Kompost kombiniert, werde in der Ökoregion Kaindorf eine Versuchsanlage gebaut, in der man Terra-Preta künstlich herstellen kann", bestätigt Gerald Dunst von der Arbeitsgruppe Landwirtschaft.

Humus – Klimaschutz mit Ertragssteigerung

Warum brauchen wir den Kompost? Durch Kompostierung wird der Humusanteil im Boden erhöht. In Österreich haben etwa 14 Prozent der landwirtschaftlichen Böden weniger als zwei Prozent Humus. Das ist ein kritischer Wert für die nachhaltige Bodenfruchtbarkeit. Denn die Erhaltung des Humus im Boden hat viele positive Effekte. Dies bewirkt eine Verbesserung des Wasserhaushaltes – der Boden hält das Wasser länger und es braucht nicht so intensiv bewässert werden. Durch die „Lebensverbauung des Bodens" mit einer Bodenstruktur mit großem Porenvolumen gibt es eine enorme Vielfalt an Bodenlebewesen, die den Pflanzen Nährstoffe zur Verfügung stellen und dazu beitragen, den Humus weiter aufzubauen. Auch die Abwehrkräfte der Pflanzen gegen Krankheiten werden gestärkt.

In Österreich gibt es in Hinblick auf die Kompostierung und die getrennte Sammlung von biogenen Abfällen bereits eine Jahrzehnte alte Erfahrung: Erste Pilotprojekte in den 1980ern Jahren und 1992 wurde die Biotonne gesetzlich eingeführt. DI Florian Amlinger ist Berater des Lebensministeriums und Experte für Kompost-Entwicklung: „Derzeit werden in Österreich pro Jahr etwa 1,3 Millionen Tonnen biogene Abfälle gesammelt", sagt er, „aus denen man zirka 600.000 Tonnen Kompost herstellen kann. Damit könnte man eine Fläche von 50.000 Hektar bewirtschaften."

Humusaufbau ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Pro Einwohner fallen in Österreich jährlich etwa 250 Kilogramm an organischen Abfällen an. Wenn man diese Menge kompostiert und anschließend auf dem Boden aufträgt, würden etwa 25 kg CO2 im Boden gebunden werden. Pro Hektar könnte man also ein bis zwei Tonnen CO2 im Boden speichern. Und ein Anteil von vier Prozent Humus im Boden auf einer Tiefe von 30 Zentimeter bindet pro Hektar 400 Tonnen CO2 im Boden.

Agroforst - auf die Mischung kommt es an

In der modernen Landwirtschaft haben Bäume keinen Platz und traditionelle Verfahren wie Streuobstwiesen kaum mehr wirtschaftliche Relevanz. „Dabei bietet die Kombination riesige Vorteile", ist Burkhard Kayser überzeugt. Er ist Berater für nachhaltige Landnutzung und hat sich intensiv mit Agroforst-Systemen auseinandergesetzt. Auf einer Fläche wird dabei nicht nur Ackerbau betrieben, sondern auch gleichzeitig Energie- bzw. Edelholz produziert. Kayser: „Die Agroforstwirtschaft kombiniert Ackerbau mit Forstwirtschaft und Obstanbau bzw. Energiegewinnung. Je nach Bodenart bzw. betriebswirtschaftlicher Zielsetzung gibt es unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten. Schnellwachsende Pappeln etwa werden als Energieholz oder zur Zelluloseherstellung verwendet und hochwertige Hölzer wie Walnuss, Esche, Ahorn oder Vogelkirsche sind in der Möbelindustrie begehrt und bringen ökologische und wirtschaftliche Vorteile, da die Erträge zusammengerechnet höher sind, als eine einzelne Bewirtschaftung. Die Bäume dienen als „Nährstoffpumpe" und das Gesamtsystem führt zu höherer Fruchtbarkeit und Produktivität."

Die Landwirtschaft ist nur eine von acht Schwerpunktbereichen der Ökoregion Kaindorf (Energiesparen, Wohnbausanierung, Heizen/Strom, Abfallwirtschaft, Landwirtschaft, Mobilität, Kaufverhalten und Bewusstseinsbildung, Förderung/Finanzierung), kann aber wesentlich dazu beitragen, die CO2-Bilanz der Region positiv zu beeinflussen. „Wir in der Ökoregion reden nicht nur, sondern wir handeln auch", erklärt Gerald Maier, der Bürgermeister der Veranstaltungsgemeinde Ebersdorf, „das zweite Humus-Symposium hat wichtige und wesentliche Anregungen für neue Initiativen im Bereich der Landwirtschaft gegeben."